Mach doch einfach!

Es fühlt sich fast so an, als müsste man den ersten Artikel auf diesem Blog mit einem Zitat beginnen. Vielleicht Voltaire, oder Goethe, nur damit man sich als schlauer Mensch bewiesen hat. Ein würdiger Nachfolger all jener, die schon in den 90ern weder in, noch out waren und die auch heute weder Hipster, noch Fliesentischbesitzer geworden sind. Manchmal frage ich mich jedoch, was das bringen soll. Diese Kunst, keine richtige Meinung zu haben und doch immer jeden belehren zu können. Man trainiert es sich wohl über Jahre an, so transparent zu werden, dass man zu einem blickdichten Fenster wird. Ein Fenster, per Definition unantastbar richtig, aber irgendwie auch undurchschaubar nutzlos. Wer studiert und sich mündlichen Prüfungen aussetzt, der bekommt eine Kostprobe dieser Kunst, wenn man sich selbst in freundlichen Formulierungen sucht, die nichts, aber vor allem Zustimmung ausdrücken. Ich hasse diese Kunst, wenngleich ich von ihr mehr profitiere als die meisten anderen. Mit all den Ideen, die ich habe, fühlt es sich immer sicherer an, ein normales Gesicht zu wahren und niemandem auf die Füße zu treten. Hier wäre es Zeit für ein Zitat eines Freundes, der mir mal leicht sturzbetrunken einen Rat gab: Mach doch einfach!

Hätte ich diesen Rat befolgt, man hätte es vermutlich bereits mitbekommen. Seit ich 16 bin, drückt mich eine Unzufriedenheit mit mir selbst. Vielleicht ist das einfach zu lange, um vor seinen eigenen Träumen wegzulaufen und eben ein solcher Mensch zu sein, der alles und nichts ist. Ich wäre nämlich gerne: Moderator, Musiker, Wrestler, Kommentator, Journalist, Blogger, Fußballtrainer, Politiker, Professor, Rennfahrer, Autor, YouTuber, Comedian und Schauspieler. Und zwar alles und am besten alles auf einmal. Wäre es nicht toll, als Präsident den Oscar zu gewinnen und dann anschließend beim Indy 500 zu siegen, das Ganze selbst zu kommentieren und darüber dann in der Zeitung zu schreiben? Bin wohl nur ich. Aber einige dieser Träume waren und sind nicht unmöglich zu erreichen. Bloggen tue ich, Musiker bin ich auch so halb, als Comedian bin ich bereits in 3 Ländern aufgetreten, ich bin politisch aktiv, schreibe Kurzgeschichten und habe einen YouTube Kanal. Alles in allem bin ich eigentlich gut dabei. Die meisten dieser Dinge kamen eher zufällig zu Stande. Und hier ist mein Problem.

Videobild

Ein Bild aus einem Video, das nie hochgeladen wurde. Geplant war Vieles.

Es wird Zeit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Zeit, nicht länger zu träumen und etwas zu tun, um einen Schritt dahin zu machen, das beste Leben zu führen, das ich führen kann. An dieser Stelle sollte ein Text enden. Eine schöne Note, ein positives Schlusswort. Aber wenn man mich fragt, was ich nach dem Studium machen will, antworte ich: Ich weiß es nicht. Der Klassiker für Menschen, die nicht Farbe bekennen wollen. Seit Jahren packt mich jeden Sommer die Motivation, für YouTube zu arbeiten und eine Mini-Serie zu produzieren. Dutzende Seiten Skript, unzählige Ideen und nie hochgeladene Video-Clips, die darauf warten, in Vergessenheit zu geraten. Aber das tun sie nie, weil sie immer der Schritt zu etwas neuen sind. Nutzlos, wie das blickdichte Fenster. Vielleicht kennen Sie das ja, vielleicht sind sie ja auch jemand, der es schwer hat, seine Ideen zu verwirklichen aus Angst, man könnte damit Menschen verschrecken. Mach doch einfach. Ich jedenfalls schreibe gerade am Skript für Garry Is Unemployed. Vielleicht sieht man es ja auch irgendwann.

Michael2