Newcastle sehen… und staunen: Kapitel 1

Dies ist das erste Kapitel meines Reiseberichtes zu meinem Kurztrip nach Newcastle Upon Tyne.

Freitag, 25. August, 15:35

Viele der Menschen um mich herum treffen in der aktuellen Phase ihres Lebens wichtige Entscheidungen: Paare ziehen zusammen, manche verloben sich oder bekommen Kinder. Ich für meinen Teil fahre dieses Wochenende nach Newcastle, um zu sehen, wie erwachsene Menschen so tun, als würden sie sich schlagen. Ich werde lachen, weinen und mir mein kleines Herz aus dem Körper jubeln, und ich würde für nichts in der Welt tauschen wollen. Ich gehöre zu den Menschen, die sich selbst fern ab der eigenen Komfort-Zone finden und weit reisen, um die Menschen zu treffen, die so sind, wie man selbst. So führt mich mein Weg heute von Verviers mit dem Zug nach Bruxelles, von wo ich morgen über London nach Newcastle Upon Tyne reisen werde, zum Pro Wrestling World Cup 2017. Natürlich gehört zu einem solchen Reisebericht ein Kommentar zur Eigenheit der Reise, zu den Besonderheiten und lustigen Momenten. Hier, in Verviers, wo ich auf meinen Zug warte, wurde vor kurzem der Bahnhof renoviert. Das ist auch gut so, da es in Strömen regnet und der alte Bahnsteig nur zu kleinen Teilen überdacht war.

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In der Hoffnung, dass die meteorologischen Umstände andere Reisende vom hinteren Teil des Bahnsteigs halten werden, was für mich einen guten Sitzplatz bedeutet, stehe ich an der Kante des Daches. Wenige Dinge machen mich nervöser, als von Fremden Leuten umzingelt zu sein, die mir zu nahe sind – wie es in Zügen öfters passiert. Bereits beim Einsteigen in den Zug bemerke ich einen Geruch, den ich zu einer Sektfabrik zuordne, sich aber als eine sechsköpfige Gruppe deutschsprachiger Frauen entpuppt, die gegen 15:45 bereits an der dritten Flasche Champagner ist und im Lautstärkepegel ein schreiendes Baby übertönen. Offensichtlich hat man das „beste Alter“ erst dann überschritten, wenn man in der zweiten Klasse eines Regionalzuges an der dritten Haltestelle besoffen genug ist, um den Sekt direkt aus der Flasche zu trinken. Mir drängt sich die Frage auf, wo der Verfassungsschutz eigentlich ist, wenn man ihn braucht und warum überhaupt V-Männer in muslimische Gemeinden entsandt werden, solche marodierend durch öffentliche Verkehrsmittel ziehenden älteren Frauen aber unbehelligt bleiben. Gott segne den Erfinder der Kopfhörer, Nathaniel Baldwin. Tatsächlich komme ich auf diese Weise sehr gut und ungestört bis nach Brüssel, wo ich die Nacht in einem Ibis-Hotel beim Bahnhof verbringen werde. Jenes Hotel finde ich überraschenderweise direkt, weshalb ich um Punkt 17:14 an der Hotelrezeption stehe, wo mich eine Dame anlächelt, die ich bereits irgendwo gesehen habe. Solche Art der „Den/Die kenn ich doch!“-Momente gehören bei mir zur täglichen Bewusstseinsübung, weshalb es durchaus vorkommt, dass ich Menschen, die ich wirklich kenne, nicht Hallo sage, aus Angst fremde Leute anzusprechen. Dieses Paradoxon wird sich der Michael-K-Komplex nennen, ab heute.

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